Über das Projekt

FOLGELANDSCHAFT. Eine holistische Untersuchung der Landschaft um Gera/Ronneburg nach dem Uranbergbau“ ist ein künstlerisch-wissenschaftliches Promotionsvorhaben (practise-based PhD) der Künstlerin Grit Ruhland an der Bauhaus Universität Weimar.

Auf diesen Seiten finden sie Information zum Projekt und ausgewählte Aktivitäten. Bitte scheuen sie sich nicht bei Fragen, Kommentaren und weiterführenden Informationen Grit Ruhland zu kontaktieren.

Hintergrund
Bergbau und dessen Auswirkungen auf die Lebensumwelt sind neben Artensterben und globaler Erwärmung die großen Themen des Anthropozäns. Wo Ressourcen gefördert werden, wird oft Lebensraum radikal umgestaltet. Bergbau bringt große materielle, ökologische, soziale Veränderungen für die betreffenden Landstriche, meist nicht zugunsten ihrer Bewohner. Gerade die Aufgaben, die sich für den Wasserhaushalt ergeben, werden zunehmend als Ewigkeitslast bzw. neutraler formuliert als Ewigkeitsaufgabe angesehen.
Trotzdem dieser wichtigen und prägenden Faktoren, die Lebensumwelt gestalten, sind diese kulturwissenschaftlich und künstlerisch wenig beforscht und verarbeitet.

Eine Besonderheit in diesem großen Themenkomplex ist der Uranbergbau, bei dem sich zusätzliche Schwierigkeiten und Risiken ergeben. Namentlich die Freisetzung radioaktiver Stoffe an die Erdoberfläche, die vorher in der Tiefe der Erdmassen verborgen waren. Die sowieso bestehende schwierige „Faktenlage“, die zur Beurteilung von Folgen und Risiken allgemein besteht, wird erschwert, dass sich wesentliche Einflüsse und unerwünschte Auswirkungen stark zeitverzögert einsetzen, Zusammenhänge schwer zu beweisen sind und ionisierende Strahlung sich sinnlicher Wahrnehmung gänzlich entzieht. Statistiken ersetzen Erfahrung, Messwerte und Grenzwerte rücken in den Mittelpunkt. Uranbergbau und -gewinnung sind laut Definition der Organisation „Ärzte gegen Atomkrieg“ (IPPNW) die ersten Glieder einer „nuklearen Kette“ an deren Ende Atomwaffen und Atommüll stehen. Wobei radioaktiver Abraum bereits schwach und mittelradiokativen Abfall darstellt, der auf „Ewigkeit“ verwahrt werden muss und zukünftigen Generationen eine Sorgfaltspflicht überträgt.

Über die Region
Ausgangspunkt der Untersuchung von FOLGELANDSCHAFT ist die Region Gera/Ronneburg in Ostdeutschland. Sie wird im Raumordnungplan Ostthüringen als „Uranbergbaufolgelandschaft“ bezeichnet. Von 1947-1991 wurden 10% des weltweit abgebauten Urans durch die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft WISMUT – zu dem Zeitpunkt der viertgrößte Uranbergbaubetrieb weltweit – hier gefördert. Mit Fördergeldern des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von ca. 6,6 Mrd Euro und zusätzlichen Mitteln, der vor Ort stattgefundenen Bundesgartenschau 2007, wurde aus der unwirtlichen Haldenlandschaft, das Bauwerk „Neue Landschaft Ronneburg“(Seelemann, 2007). Die Sanierung dauert voraussichtlich noch bis 2040 an. Die Region wird sozial, ökologisch, wirtschaftlich und ästhetisch auf Dauer geprägt sein.
FOLGELANDSCHAFT portraitiert und dokumentiert diese Veränderungen exemplarisch – durch “subjektive” und “objektive” Annäherungen an die Veränderungen und Prägungen der Landschaft um Gera/Ronneburg. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden wie Diskursanalyse, Interviews, partizipativer Landschaftsbeobachtung – und künstlerischen Annäherungen wie Fieldrecordings, Fotos, Zeichnungen und Klanginterventionen, entsteht ein umfassendes Bild, das die bestehende Forschungslücke schließen soll.

Landschaftsbeobachtungen – ein besondere Methode
Landschaftsbeobachtungen im Forschungsgebiet sind ein Teilbereich des Promotionsvorhabens, die Auswirkungen des bereits beendeten Uranbergbaus zu dokumentieren und zu erfassen. Zufall und Alltag sind zwei Stränge, die sich hier ergänzen. Ich führe seit 2013 ein regelmäßiges Forschungstagebuch in dem ich Beobachtungen notiere, die mir in meinem Alltag zum Thema begegnen. Zum zweiten habe ich zuerst mit Hilfe eines Würfelverfahrens und nun mit Hilfe eines Progamms die Auswertung von Geigerzählerdaten zur Generierung von objektiv zufälligen Orten, Daten und Zeiten eingesetzt, welche ich anschließend besuche und beobachte. Radioaktive Zerfälle, bekannt als mutagene und cancerogene Prozesse werden hier als Ressource für Zufall eingesetzt. Die Programmierung entstand mit Expertise und Wissen des Quantenphysikers Dr. Stefanos Kourtis.

Lebenslauf der Künstlerin
Grit Ruhland hat in Dresden an der HfBK Dresden Skulptur- und Raumkonzepte und wurde anschließend Meisterschülerin von Prof. Martin Honert.
Ihre künstlerische Arbeit basiert auf einem konzeptuellen Ansatz und umfasst partizipative Projekte, Kunst im öffentlichen Raum, auditive Installationen, Interviews und Zeichnungen, sowie Interaktion mit wissenschaftlichen Instituten und Themen. Seit 2007 lehrte sie an Universitäten in künstlerischen Bereichen in Dresden und Wuppertal. Gemeinsam mit anderen Akteuren organisiert sie Ausstellungen, Symposien und Projekte und war an diesen in Deutschland, Estland, Ungarn, Polen, Russland, Österreich, Frankreich, Italien, Nordirland, Singapur und Litauen beteiligt.

Betreuung
Die wissenschaftlichen Mentoren Prof. Dr. habil. Max Welch Guerra (Lehrstuhl Raumplanung Raumforschung, Institut für Europäische Urbanistik von der Bauhaus Universität Weimar) und der Grubenwasserexperte Prof. Dr. habil Christian Wolkersdorfer (Lehrstuhl für Grubenwassermanagement Tshwane University of Technology, Pretoria [Südafrika] & Lappeenranta University of Technology, Laboratory of Green Chemistry, Mikkeli [Finnland]) betreuen die Arbeit ebenso wie Prof. Nathalie Singer (Lehrstuhl Experimentelles Radio, Bauhaus Universität Weimar) als künstlerische Mentorin.

Förderung
Gefördert wird das Projekt durch ein Thüringer Graduiertenstipendium der Bauhaus Universität Weimar (2016/17) und ein Stipendium Chancengleichheit für Gestalterinnen Bauhaus Universität Weimar (2015/16)