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Dreibeinige Tiere

Ein Phänomen, welches im bezeichneten Forschungsgebiet auffällig häufig in historischen volkskundlichen Erzählungen vorkommt, sind dreibeinige Tiere – oft in Verbindung mit der Wilden Jagd. Eine wesentliche Quelle, auf die fast alle anderen Sagenbücher der Region zurückgehen ist das „Sagenbuch des Voigtlandes“ des Heimatforschers Robert Eisel 1871 in Gera verlegt.  Ich habe diese Karte erstellt um die Verteilung der dreibeinigen Tiere zu zeigen:

Zur Karte

Die Wilde Jagd, das Wilde Heer, der Nachtjäger – all das sind volkstümliche Mythologien, die auf ein ähnliches Narrativ zurückgehen – ein „Dämonenheer“, der Verstümmelten und zu früh Verstorbenen. Sie gelten als Vorboten des Unglücks, Krieg und Katastrophen. (Lecouteux 2001, 65) Allein ihr Anblick führt zu Verwirrrung, Krankheit und Unheil. Man findet das Motiv der Wilden Jagd flächendeckend in Mitteleuropa.

Eduard Hoffmann-Krayer beschreibt im „Handbuch des deutschen Aberglaubens“ dass dreibeinige Tiere mit Totenglauben verbunden sind  – daher ihre Korrelation mit der Wilden Jagd. Unter den Tieren sind „Roß, Kalb, Schaf, Ungeheuer, Esel, Ziegenbock, Hund und besonders Hase“. (Hoffmann-Krayer 1929, 420) Sie zählen zu den Dämonen und können Vorboten von Krankheiten z.B. der Pest sein. Der Europäische Ethnologe Leander Petzoldt bestätigt diese Deutung. (Petzoldt 2002, 129)

Dreibeinige Tiere finden sich weltweit, als Kröte und Vogel in Asien, als dreibeiniges Pferd „Helhest“ in Dänemark, vor allem aber als Figurinen von Säugetieren wie Kamelen, Schafen und Kühen in Mali und Tanzania, wo sie mutmaßlich als Kinderspielzeug der Tuareg hergestellt wurden. (Graham 2011, 3)

Im letzgenannten Mali ist Uranbergbau ein wichtiges Thema. Ebenso wie im angrenzenden Niger – dort befinden sich die Minen vor allem auf dem Gebiet der Tuareg, die häufig als Arbeiter ohne nennenswerten Arbeitsschutz beschäftigt werden.

Indigene Völker, die sich gegen Uranbergbau wehren, erwähnen oft Legenden, die mit mächtigen, zerstörerischen Gottheiten verbunden sind. Prominentestes Beispiel ist hier vermutlich die Uranlagerstätte „Yeelirrie“ in Australien, die übersetzt „Stätte des Todes“ bedeutet. Uranmineralien lagern hier nur wenige Meter unter der Oberfläche. Aus anderen Gebieten Australiens, dem z.B. dem Jabiluka-Projekt im Kakadu-Nationalpark ist die Regenbogenschlange bekannt, die im Wasser lebt und zerstörerisch reagiert, wenn sie z.B. durch Verunreinigung des Wassers gestört wird. Diese Erzählung wird z.B. im Widerstand gegen Uranbergbau ins Feld geführt. (Welling 2012, 176)

In Peru kennt man ein Gestein namens „ayacachi“- das „Salz des Todes“ welches Uran enthält. Es ist ebenso mit der Inka-Mythologie verbunden. „Ayar Cachi“ ist ein mächtiger Gott, der von seinen Brüdern gefürchtet, in eine Höhle gebannt wurde.

Enden soll dieser Artikel mit Robert Eisel „Sagenbuch des Voigtlandes“ S. 298:

Nr. 751 Von manchen Grundstücken geht die Rede, daß sie durchaus nicht umgeackert werden dürften und nannte man bis vor kurzem hierunter eine mit Wassergraben umgebene Erderhöhung, den sogenannten Vogelheerdt, zwischen Wolfersdorf und Albersdorf bei Berga. (Vor kurzem ist freilich dennoch alles dort geebnet worden)

Dieser genannte Vogelheerdt lag im Bereich des späteren Tagebaus Culmitzsch. Was wusste also die lokale Bevölkerung von dem Gestein, das wenige Meter, manchmal nur Zentimeter unter der Grasnarbe lagerte?

Quellen:

Meilenblätter von Sachsen, Freiberger Exemplar, 1:12 000, Handzeichnung, Datensatz 90011756, Blatt 059: Zwirtzschen, 1:12 000, Grundaufnahme 1796, Nachträge bis 1876

Eisel, Robert. 1871. Sagenbuch des Voigtlandes. Gera: Griesbach.

Geyer, Moritz. 1901. Osterlandsagen. Altenburg: Tittel.

Graham, Lloyd. 2011. „Three-Legged Animals in Mythology and Folklore“. https://www.academia.edu/444355/Three-Legged_Animals_in_Mythology_and_Folklore.

Hoffmann-Krayer, Eduard. 1929. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin/Leipzig: Walter de Gruyter.

Lecouteux, Claude. 2001. Das Reich der Nachtdämonen: Angst und Aberglaube im Mittelalter. Herausgegeben von Harald Ehrhardt. Düsseldorf [u.a.]: Artemis & Winkler.

Petzoldt, Leander. 2002. Einführung in die Sagenforschung. 3.Aufl. UTB. – [Wechselnde Verlagsorte und Verleger], 1971- 2353. Konstanz: UVK-Verl.-Ges.

Welling, Wouter, Hrsg. 2012. Dangerous and Divine: The Secret of the Serpent. Amsterdam : Berg en Dahl: KIT Publishers.

Zufall als ResSource

Vom 29.Sept bis 2.Oktober fand die RIXC Kunst-Wissenschaftskonferenz „Open Fields“ in Riga statt. Ich habe über meine Weiterentwicklung der Monte-Carlo-Methode zur Landschaftsbeobachtung auf Basis von Geigerzählerdaten gesprochen – „Zufall als ReSource“

„Randomness as a ReSource“ ist ein Teilbereich meines Promotionsvorhabens, die Auswirkungen des bereits beendeten Uranbergbaus zu dokumentieren und zu erfassen. Radioaktive Zerfälle, bekannt als mutagene und cancerogene Prozesse werden hier zur Generierung von objektiv zufälligen Orten, Daten und Zeiten eingesetzt, die ich unter diesen Paramentern besuche und beobachte. Das Programm dazu entstand in Zusammenarbeit mit Expertise und Programmierung des Quantenphysikers Dr. Stefanos Kourtis.

Regine Debatty hat meinen Geigerzähler fotografiert und auf Instagram gepostet:

 

Und Raphael Kim ein paar Bilder auf Twitter:

Grit Ruhland presenting Randomness as reSource @rixcriga pic.twitter.com/H7IUHEFF2L

— Raph Kim (@kim_raphael) October 1, 2016

Mit freundlicher Unterstützung des IPID4all-Projektes der Bauhaus-Universität Weimar